Neuer Artikel: „Pink Quartz“ im Krater-Streufeld

Pink quartz – a new, meteorite impact-related origin? Part 1: Observations and first hypothesis of formation [Pink (rosa) Quarz – ein neu gefundener Bildungsprozess bei Meteoriten-Einschlägen? Teil 1: Beobachtungen und eine erste Hypothese zur Entstehung]   PDF DOWNLOAD
Kord Ernstson* (2018)

Abstract. – Pink quartz, not to be confused with rose quartz, is an extremely rare color variety, which is completely transparent and is only known from a few occurrences worldwide. It is believed that the pink color is due to small amounts of aluminum and phosphorus that substitute silicon, and exposure of the quartz to natural gamma radiation. Sands with a dominating proportion of pink quartz excavated from the soil and extracted from a breccia layer in the crater strewn field of the Chiemgau meteorite impact suggest that normally colorless quartz sand was irradiated during the impact event and may possibly be found at other impact sites.

Zusammenfassung. – Pink Quarz (im Deutschen vielfach auch rosa Quarz), keinesfalls zu verwechseln mit Rosenquarz, ist eine extrem seltene Farbvarietät, die vollkommen durchsichtig und nur von ganz wenigen Fundorten auf der Erde bekannt ist. Es wird angenommen, dass diese pink/rosa Farbe auf geringe Mengen von Silizium  ersetzendem Aluminium und Phosphor zurückzuführen ist und das Quarz-Material einer natürlichen Gamma-Strahlung ausgesetzt wird. Sand von Bodenproben und aus einer Brekzien-Schicht im Chiemgauer Meteoritenkrater-Streufeld, der jeweils einen vorherrschenden Anteil von pink/rosa Quarz enthält, lässt vermuten, dass normalerweise farbloser Quarz-Sand beim Impakt-Ereignis bestrahlt wurde, was möglicherweise auch in anderen Impakt-Kratern beobachtet werden kann.

Key words: Pink and rose quartz, Chiemgau meteorite impact, neutron-gamma radiation

Schlüsselwörter: Pink/rosa Quarz und Rosenquarz, Chiemgau-Impakt, Neutron-Gamma-Strahlung.

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Faculty of Philosophy I, University of Würzburg, Germany, kernstson@ernstson.de

Artikel zum Chiemgau-Impakt: Kosmische Kollision in der Frühgeschichte – Stand der Forschung 2017

In der renommierten Zeitschrift für Anomalistik, Band 17 (2017), S. 235 -260, ist kürzlich ein umfassender Artikel (mit Peer review) über den gegenwärtigen Stand der Forschungen zum Chiemgau-Impakt erschienen:

Kosmische Kollision in der Frühgeschichte
Der Chiemgau-Impakt: Die Erforschung eines bayerischen Meteoritenkrater-Streufelds

von Michael Rappenglück, Barbara Rappenglück, Kord Ernstson

Zusammenfassung – „Chiemgau-Impakt“ bezeichnet ein Ereignis, das sich in der Bronze-/Eisenzeit mit der Schaffung eines großen Meteoritenkraterstreufeldes durch den Einschlag eines Kometen/ Asteroiden in Südostbayern abgespielt hat. Die Forschung ist von Anfang an interdisziplinär an- gelegt und umfasst u.a. Geologie, Geophysik, Limnologie, Archäologie, Mineralogie, Speläologie, Astronomie und historische Wissenschaften. Die Forschungsergebnisse zeigen, dass sich im Gebiet zwischen Altötting, dem Chiemsee und dem Alpenrand eine große Katastrophe abgespielt haben muss. Funde von exotischem Material, das teilweise nur in Meteoriten vorkommt, durch höchste Drücke und Temperaturen und Einwirkung von Säure extrem beanspruchte und veränderte Gesteine, verschiedenste ganz ungewöhnliche Kohlenstoff-Modifikationen, Nanodiamanten, geophysikalische Anomalien, enorme, weit verbreitete Bodendeformationen und viele andere Auffälligkeiten können durch die Hypothese eines nacheiszeitlichen Impakts stimmig erklärt werden. Sämtliche in der Forschung geforderten Impaktkriterien konnten nachgewiesen werden. Der Einschlag verbunden mit einem großen Air Blast hat erhebliche regionale und wohl auch überregionale Wirkungen hervorgerufen. Menschen nicht nur aus der Region des Chiemgaus waren Augenzeugen des faszinierenden, schockierenden und verstörenden Ereignisses. Möglicherweise wurden recht genaue Beschreibungen des Ablaufs und der regionalen Auswirkungen sogar im antiken griechischen Mythos des jugendlichen Sonnenwagenfahrers Phaeton geschildert. Der Beitrag erläutert den heutigen (2017) Kenntnisstand und geht kurz auch auf die Forschungsgeschichte ein.

Die Veröffentlichung in der Zeitschrift für Anomalistik hat ihren besonderen Grund und Reiz. Dazu zitieren wir aus dem Vorwort des Herausgebers Gerhard Mayer (Gesellschaft für Anomalistik) zum Band 17:

“ … Wissenschaftliche Anomalistik, und dies wird hier ein weiteres Mal sehr deutlich, ist ein multidisziplinäres Unterfangen mit einer großen thematischen Vielfalt und Heterogenität. Denn in jeder Disziplin stößt man auf Anomalien, die aufgrund ihrer besonderen Natur aus dem Rahmen des Üblichen fallen. Sie werden in der Regel vom Mainstream ignoriert, gemieden oder bagatellisiert, und nur wenige unvoreingenommene Forscher wenden sich ihnen zu. Solche Anomalien fallen dann in den Bereich der wissenschaftlichen Anomalistik.

Nicht immer jedoch ist es für einen Außenstehenden einfach zu verstehen, warum eine wissenschaftliche These sozusagen „ausgestoßen“ wird, warum sie nicht Gegenstand einer seriösen wissenschaftlichen Untersuchung werden soll, warum sie nach Ansicht des akademischen Mainstreams nicht die Mühen der Auseinandersetzung lohnt, weswegen diejenigen Wissenschaftler, die anderer Ansicht sind, im besten Fall schräg angesehen, im schlimmeren als unseriös und pseudowissenschaftlich diffamiert werden. …. So kann man bei Pohl & Zöhn (2017: 162-163), durchaus nachvollziehbar, lesen: „Wir konnten die ‚anomalistischen Aspekte‘ der Hypothese zunächst nicht ergründen. ‚Anomal‘ schien uns vor allem die Tatsachen, dass das wissenschaftliche Establishment mit Michael Rappenglücks ‚einschlagenden‘ Argumenten offensichtlich Probleme hat.“ Sie beziehen sich dabei auf den Vortrag „ChiemGAU – Bombardement aus dem All“, der die Basis für den ersten Aufsatz dieser Ausgabe bildet. Dort wird the Theorie des sogenannten ‚Chiemgau-Impakts‘ vorgestellt, der einen von den Autoren vermuteten Kometen- oder Asteroiden-Einschlag in Südostbayern postuliert. Bestimmte Landschaftsformationen sollen damit in einem von den gängigen Annahmen abweichenden Modell erklärt werden. Dafür führen sie eine ganz Reihe plausibler und nachvollziehbarer Argumente an – zumindest was die chemischen, physikalischen – allgemein: materiellen Befunde anbelangt. Zu Recht also stellt man sich die Frage, weshalb eine solche Theorie aufgrund einer entsprechenden Behandlung durch den Mainstream in den Bereich der Anomalistikforschung gelangt. Offenbar werden hier Grenzen des gewohnten und liebgewonnenen Erklärungsraums (Deutung der Formationen als Relikte der letzten Eiszeit) der üblicherweise mit diesen Themen befassten Wissenschaftler überschritten. … “

 

Beitrag zum Chiemgau-Impakt: American Geophysical Union (AGU) Herbsttagung 2017 in New Orleans

  • EP53B-1700: Meteorite Impact „Earthquake“ Features (Rock Liquefaction, Surface Wave Deformations, Seismites) from Ground Penetrating Radar (GPR) and Geoelectric Complex Resistivity/Induced Polarization (IP) Measurements, Chiemgau (Alpine Foreland, Southeast Germany)
Authors
  • Kord Ernstson 
    • Faculty of Philosophy I, University of Würzburg
  • Jens Poßekel
    • Geophysik Poßekel Hornhof 14, 45479 Mülheim

HIER kann die AGU Tagungsseite mit Abstract, Plain Language Summary (kurze allgemein verständliche Zusammenfassung) und Download-Link für das  Poster angeklickt werden.   

HIER kann das Poster direkt aufgerufen werden. Hinweis: Für bessere Lesbarkeit kann das Poster-PDF auf dem Monitor erheblich vergrößert werden.

Zitat: AGU Fall Meeting is the largest and preeminent Earth and space science meeting in the world.

Meteoritenkrater – Impakt zum Anfassen

Bereits in der Frühzeit der Erforschung des Chiemgau-Kraterstreufeldes zu Beginn des neuen Jahrtausends wurde bei einer Befliegung eine perfekt halbkreisrunde Struktur entdeckt, die wie in die Talböschung des Inns bei Marktl hineingestanzt erschien. Geologische Erforschung am Grund  und Probennamen belegten rasch den Einschlagcharakter dieses gut 50 m messenden Kraters, der als Nr. 24 in die seinerzeit von den Heimatforschern akribisch geführte Kraterliste des Chiemgau-Impaktes Eingang fand. Die halbkreisförmige Struktur war leicht mit der Erosionstätigkeit durch Hochwässer im Tal des Inns erklärt.

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Abb. 1. Halbkrater Aiching in der Inntal-Böschung gegenüber Marktl (UTM Koordinaten 338863, 5346952).

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