Chiemit: der Koks der letzten Zweifler am Chiemgau-Impakt

Chiemit (Chiemgau-Impakt) unter dem ElektronenmikroskopREM-Aufnahme des Chiemits: der „Koks“ von Robert Huber und Robert Darga mit Gehalt an Diamanten und Carbinen.

Auf der diesjährigen Konferenz der Europäischen Geowissenschaftlichen Union (EGU) im April in Wien haben Dr. Robert Huber (Meeresgeologe am Marum, Zentrum für Marine Umweltwissenschaften, Universität Bremen) und Dr. Robert Darga (Eiszeitgeologe, Direktor des Mammut-Museums in Siegsdorf, Chiemgau, Oberbayern) erneut zu einem Rundumschlag gegen den Chiemgau-Impakt ausgeholt, der heute (trotz aller Wikipedia-Verdrehungen und -Manipulationen) allgemein anerkannt ist. Offensichtlich gelang es ihnen, einige andere Wissenschaftler zu überzeugen, ein gemeinsames Poster zu präsentieren, auf dem ihre plumpen Ideen präsentiert wurden, Titel: “If You Wish Upon A Star. Chiemite: An Anthropocene Pseudo-Impactite”. Die drei Koautoren des Posters kommen aus Australien (Mineral Resources, CSIRO, Federal Agency for the improvement of the economic and social performance of industry).

Wir belassen es bei der kurzen Anmerkung, dass der Chiemit, der in internationalen, renommierten, peer-reviewed Publikationsorganen als Hochdruck-/Hochtemperatur-Impaktit mit dem Gehalt an Diamant und Carbinen (T = 2500 – 4000 K, P = mehrere GPa) beschrieben wird, terrestrischen Ursprungs ist und aus einer spontanen Schock-Inkohlung der Vegetation (Holz, Torf) des Chiemgauer Einschlagsgebietes stammt. Die veröffentlichten Methoden der Chiemit-Untersuchungen waren: optische und Atomkraft-Mikroskopie (AFM), Röntgenfluoreszenzspektroskopie (RFA), Rasterelektronen(REM)- und Transmissionselektronen(TEM)-Mikroskopie, hochauflösende Ramanspektroskopie, Röntgenbeugung (XRD) und Differentialthermoanalyse (DTA) sowie δ13C und 14C Radiokohlenstoffisotopen-Datenanalyse.

Wissenschaftlich ist die Posterpräsentation dieser Impakt-Kritiker, in der bei den References kein einziges Zitat zum Chiemgauer Impakt und kein einziges Zitat zum Chiemit (siehe z.B. Chiemgau-Impakt: neuer umfassender Artikel über den Chiemiten Impactite, Shumilova, T.G. et al. (2018)) gebracht wird, absolut wertlos, weit entfernt von jeglicher wissenschaftlichen Seriosität, und sollte allenfalls Spott in der Wissenschaftsszene hervorrufen. Man fragt sich, warum ein solches Pamphlet überhaupt auf der Konferenz gezeigt werden konnte.

 

Bemerkenswertes Zusammentreffen: ein neues Geotop des LfU und die LPSC

Das bayerische Landesamt für Umwelt (LfU) hat jüngst den Tüttensee-Meteoritenkrater des Chiemgau-Impaktes zu seiner Liste der bayerischen Geotope hinzugefügt: nein, nicht als geologisch einmaligen Meteoritenkrater sondern als Eiszeit-Toteisloch, wie es die Amtsgeologen seit mehr als 10 Jahren trotz aller wissenschaftlichen Forschungen und Erkenntnisse, die diese Deutung in das Märchenreich verweisen, unerschütterlich behaupten. Das Zusammentreffen: Auf der in Kürze stattfindende international renommierte Konferenz Lunar & Planetary Science Conference (LPSC) in The Woodlands/Houston, Texas, werden von der Forschergruppe des CIRT wiederum Posterbeiträge zum Chiemgau-Impakt präsentiert, darunter ein Poster, das neueste brillante Ergebnisse von Georadar-Messungen am und auf dem Tüttensee bringt und jegliche Eiszeit-Überlegungen einmal wieder ad absurdum führt.

Die Poster wurden im Vorgriff auf die Tagung bereits jetzt vom Lunar & Planetary Institute (LPI) online gestellt und können als PDFs heruntergeladen werden: 

https://www.hou.usra.edu/meetings/lpsc2019/eposter/1204.pdf

https://www.hou.usra.edu/meetings/lpsc2019/eposter/1334.pdf

https://www.hou.usra.edu/meetings/lpsc2019/eposter/1520.pdf

Titel der Beiträge und die Autoren stehen im anschließenden Beitrag auf der Hauptseite. Mehr zu den Aspekten der Geotop-Installation kann HIER angeklickt werden.

LPSC 2019, 18. – 22. März, The Woodlands, Texas – drei Beiträge zum Chiemgau-Impakt

Abstracts zum Anklicken (deutsche Kurzfassungen der Abstracts HIER)

 

Poßekel J.   Ernstson K. Anatomy of Young Meteorite Craters in a Soft Target (Chiemgau Impact Strewn Field, SE Germany) from Ground Penetrating Radar (GPR) Measurements [#1204]
Bauer F.   Hiltl M.   Rappenglück M. A.   Ernstson K. Trigonal and Cubic Fe2Si Polymorphs (Hapkeite) in the Eight Kilograms Find of Natural Iron Silicide from Grabenstätt (Chiemgau, Southeast Germany) [#1520]
Rappenglück B.   Hiltl M.   Ernstson K. Metallic Artifact Remnants in a Shock-Metamorphosed Impact Breccia:  An Extended View of the Archeological Excavation at Stöttham (Chiemgau, SE-Germany) [#1334]

 

Chiemgau-Impakt: Neuer umfangreicher Artikel zum Chiemit im Druck erschienen

Abstract: Unusual carbonaceous matter, termed here chiemite, composed of more than 90% C from the Alpine Foreland at Lake Chiemsee in Bavaria, southeastern Germany has been investigated using optical and atomic force microscopy, X‐ray fluorescence spectroscopy, scanning and transmission electron microscopy, high‐resolution Raman spectroscopy, X‐ray diffraction and differential thermal analysis, as well as by δ13C and 14C radiocarbon isotopic data analysis. In the pumice‐like fragments, poorly ordered carbon matter co‐exists with high‐ordering monocrystalline α‐carbyne, and contains submicrometer‐sized inclusions of complex composition. Diamond and carbyne add to the peculiar mix of matter. The required very high temperatures and pressures for carbyne formation point to a shock event probably from the recently proposed Holocene Chiemgau meteorite impact. The carbon material is suggested to have largely formed from heavily shocked coal, vegetation like wood, and peat from the impact target area. The carbonization/coalification high PT process may be attributed to a strong shock that instantaneously caused the complete evaporation and loss of volatile matter and water, which nevertheless preserved the original cellular structure seen fossilized in many fragments. Relatively fresh wood encapsulated in the purported strongly shocked matter point to quenched carbon melt components possibly important for the discussion of survival of organic matter in meteorite impacts, implying an astrobiological relationship.

Zusammenfassung: – Ungewöhnliche Kohlenstoff-Materie aus mehr als 90% C, hier Chiemit genannt, aus dem Alpenvorland am Chiemsee in Bayern, wurde mit optischer und Rasterkraftmikroskopie, Röntgenfluoreszenzspektroskopie, Raster- und Transmissionselektronenmikroskopie, hochauflösender Raman-Spektroskopie, Röntgenbeugung und Differentialthermoanalyse sowie mit δ13C und 14C Radiokohlenstoff-Isotopendatenanalyse untersucht. In den bimssteinähnlichen Fragmenten koexistiert schlecht geordnete Kohlenstoffsubstanz mit hochrangig monokristallinem α-Carbin und enthält submikrometergroße Einschlüsse komplexer Zusammensetzung. Diamant und Carbine tragen zur eigenartigen Mischung der Materie bei. Die für die Bildung von Carbinen erforderlichen sehr hohen Temperaturen und Drücke deuten auf ein Schockereignis hin, das wahrscheinlich auf den kürzlich vorgeschlagenen holozänen Meteoriteneinschlag im Chiemgau zurückzuführen ist. Es wird angenommen, dass sich das Kohlenstoffmaterial weitgehend aus stark geschockter Kohle, Vegetation wie Holz und Torf aus dem Einschlaggebiet gebildet hat. Der Hochdruck-/Hochtemperatur-Prozess der Karbonisierung/Inkohlung  kann auf einen starken Schock zurückgeführt werden, der sofort die vollständige Verdampfung und den Verlust von flüchtigen Bestandteilen und Wasser verursachte, die jedoch die ursprüngliche Zellstruktur bewahrten, die fossil in vielen Fragmenten zu beobachten ist. Relativ frisches Holz, das in der vorgeschlagenen stark geschockten Materie eingekapselt ist, weist auf abgeschreckte Komponenten einer Kohlenstoffschmelze hin, was für die Diskussion über das Überleben organischer Substanzen bei Meteoriteneinschlägen möglicherweise wichtig ist und eine astrobiologische Beziehung haben kann.